Diskussionen um digitale Bildung sind zu oft von Ängsten geprägt

Kommunale Landesverbände fordern mehr Tempo bei der Digitalisierung der Schulen

Didacta 2017"Wir stecken mittendrin in der Transformationsphase ins digitale Zeitalter", sagte Dr. Salomon, in seiner Begrüßungsansprache. "Es gibt keine Zeit zu verlieren, das Thema anzupacken." Heute, da "sicher geglaubte Grenzen zwischen Information und Meinungsmache" verschwämmen, sei es zunehmend wichtiger, jungen Menschen eine entsprechende Medienkompetenz zu vermitteln. Dazu müssten nicht nur Lerninhalte modernisiert, sondern auch die technischen Rahmenbedingungen an den Schulen geschaffen werden.

So eröffnete Dr. Dieter Salomon, der stellvertretende Präsident des Städtetags und Freiburger Oberbürgermeister, am 17. Februar 2017 den Bildungskongress der Kommunalen Landesverbände, die als Zusammenschluss von Städtetag, Gemeindetag und Landkreistag die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber der Landesregierung vertreten. Der  stand in diesem Jahr unter dem Motto „Bildung auf Draht – Digitalisierung an den Schulen“ und war mit rund 1200 Teilnehmern die bestbesuchte Veranstaltung der weltgrößten Bildungsmesse didacta in Stuttgart.

Fortschritt kann man nicht aufhalten

Hier spielten die kommunalen Träger „als Mitgestalter“ eine Schlüsselrolle, pflichtete Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes, seinem Vorredner bei. Die Digitalisierung sei „die größte Herausforderung in der Geschichte des Bildungssystems“. Oft seien die Diskussionen um die „Organisation der Bildung in der digitalen Welt“ aber noch von Vorurteilen und Ängsten geprägt. Dabei gehe es primär um die Frage, was die Technologien zur Bereicherung des Bildungssystems beitragen könnten. Fthenakis mahnte, „sachlich, aufgeschlossen, aber auch kritisch“ an die Thematik heranzugehen. Denn: „Wir können uns der Entwicklung nicht verschließen.“

Dem stimmte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann gerne zu: „Es gibt immer weniger Berufe, in denen man nicht mit der Digitalisierung umgehen muss. Angesichts des Fachkräftemangels dürfen wir hier keine Jugendlichen zurücklassen. Dazu brauchen wir eine sachliche, in die Zukunft gerichtete Qualitätsdebatte ohne ideologische Scheuklappen.“ Die Effektivität einzelner Methoden werde allerdings überschätzt: Entscheidend für den Bildungserfolg sei, „ob die Lehrkräfte die jeweilige Methodik beherrschen“.

Ohne Digitalisierung keine zukunftsfähige Bildung

Man wolle die Chancen der Digitalisierung hierzulande nutzen, fuhr Kretschmann fort. Und warnte gleichzeitig: „Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck einer guten Bildung.“ Daher müssten die Rahmenbedingungen an den Schulen so gestaltet werden, dass „der pädagogische Mehrwert durch die Digitalisierung auch tatsächlich erreicht wird“. Um dies zu gewährleisten, genüge es nicht, die Schulen ans Highspeed-Netz anzuschließen. Vor allem müssten „die Lehrer gut und gründlich fortgebildet werden“. An den Schulen des Landes soll Informatik im Schuljahr 2017/2018 ab der siebten Klasse erstmals zum Pflichtfach werden.

Freilich stelle sich die Frage, „wer die Digitalisierung bezahlt“, räumte Kretschmann ein. Finanziell werde Bund, Ländern und Kommunen „einiges abverlangt“. Die Digitalisierung an den Schulen sei „eine wichtige Weichenstellung, eine Aufgabe, die nur gemeinsam bewältigt“ werden könne. In diesem Zusammenhang forderte der Ministerpräsident vom Bund „einen höheren Anteil am gemeinsamen Steueraufkommen“ für die Länder.

Für aktive Bürger mit Verantwortung für die Gesellschaft

Dass die Digitalisierung keine Zukunftsvision, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, betonte auch die Präsidentin des Landtages von Baden-Württemberg, Muhterem Aras. „Die Digitalisierung bestimmt unseren Alltag, unsere Kommunikation und unsere Produktionsweisen“, sagte sie. An den Schulen stelle dies einen Spagat dar „zwischen nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten einer- und riesigen Herausforderungen andererseits“. Politik, Forschung und Zivilgesellschaft stünden gleichermaßen in der Verantwortung, die Chancengleichheit in der digitalen Welt zu sichern.

„Die Schule wird immer mehr zum Lebensraum, der auch veränderte Realitäten auffangen muss“, sagte Aras. Bei aller Technologiebegeisterung dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass die Digitalisierung „Pädagogik, Expertentum und Interesse nicht ersetzen kann“. Letztlich „tragen wir eine Verantwortung dafür, unsere Kinder die analoge Welt weiter erleben zu lassen, damit sie lebensstark werden – wir brauchen nachfolgende Generationen, die ihre Gesellschaft aktiv und voll verantwortlich mitgestalten.“

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