Du wirst online bedroht? Hier gibt es Hilfe!

Manchmal reizt es mich doch noch. Ich habe den US-Wahlkampf Trump vs. Biden sehr genau und gespannt verfolgt. Ich wusste, auf welche Swing States es ankam und habe tagelang auf die Veränderung der ausgezählten Votes gestarrt. Die Präsidentschaftswahl ist zwar jedes Jahr spannend in den USA, aber in diesem Jahr war ich natürlich nicht neutral. Wie so viele andere Menschen auf der Welt wollte ich, dass dieses Ekelpaket Donald Trump eine krachende Niederlage kassiert. Was zum Glück auch passiert ist, wenn auch nicht so deutlich, wie ich es mir gewünscht hätte. Immerhin haben noch rund 74 Millionen Amerikaner für den amtierenden Präsidenten gestimmt, der so gut wie immer lügt, sobald er nur den Mund aufmacht oder - noch schlimmer - Twitter bedient.

Nun ist es genau drei Wochen her, dass Joe Biden offiziell als President Elect, also als designierter Präsident der USA vermeldet wurde. Und wie schon gesagt, manchmal reizt es mich immer noch Twitter zu öffnen und nachzuschauen, was Donald Trump in diesen Tagen so vor sich hin zwitschert. Und jedes Mal schockiert es mich aufs Neue. Er habe die Wahl gewonnen, wenn man nur die legalen Stimmen zählt, er werde das noch beweisen und die ausstehenden Gerichtsverfahren gewinnen, Stimmzettel seien gefälscht worden und bei der gesamten Wahl Betrug im Spiel, man könne dem amerikanischen Wahlsystem nicht mehr trauen, alle Medien würden falsch über ihn berichten und die Wahrheit nicht vermelden und so weiter und so weiter.

Lügen ohne Pause

Die Hälfte dieser Tweets wurde von Twitter mit zusätzlichen Hinweisen versehen, nach deren Anklicken man lesen kann, dass Herr Trump für seine Behauptungen keine Beweise hat und dass nirgendwo in den USA Belege für Wahlbetrug gefunden wurden. Aber fernab jeder Realtität twittert dieser Mensch weiter Lügen und wilde Verschwörungsideen an seine zurzeit 88,8 Millionen (!) Twitter-Follower und zahlreiche Gelegenheitsleser wie mich, als ob es das Normalste der Welt wäre.

Gestern machte er sich zum Beispeil darüber lustig, dass die Thanksgiving-Rede von Joe Biden nur 1.000 mal online abgerufen worden wäre, obwohl sie nachweislich und für jeden ersichtlich über fünf Millionen Mal angeschaut worden ist. Diese für jedermann so klar erkennbare und völlig rücksichtslose Lügerei lässt mich immer wieder sprachlos zurück.

Während ganze Armeen von Wohltätigkeitsorganisatoren, Politer*innen, staatlichen Einrichtungen und Aktivit*innen versuchen über Fake-News und Hasspostings im Netz aufzuklären und vorzugehen, konterkariert der mächtigste Mann der Welt all diese Bemühungen und zeigt so deutlich wie niemand vor ihm, dass im freien Internet alles möglich ist. Wahrheit oder Lüge, Aufstacheln zum Hass oder Aufrufe zum Zusammenhalt – in den sozialen Netzwerken lässt sich von A bis Z wirklich absolut alles Erdenkliche finden.

Hass muss man nicht akzeptieren

Hass im Netz, das ist allerdings kein Kavaliersdelikt. Der Noch-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sollte sich schämen, mit seiner Art der Internetnutzung das schlechteste Vorbild abzugeben, das man sich vorstellen kann.

Als Trainerin für Medienkompetenz rate ich immer wieder Lügenpostings und Hasskommentare zu ignorieren oder den sozialen Netzwerken zu melden. Letzteres geht einfach und schnell. Man sollte das immer wieder nutzen, wenn die Postings allzu menschenverachtend sind.

Was aber, wenn man selbst Opfer wird? Wenn sich ein Shitstorm unter dem eigenen Beitrag entwickelt, der in persönlichen Anfeindungen, Beleidigungen oder gar Drohungen gipfelt? Wenn vielleicht sogar die eigene Adresse gepostet und mit einem Gewaltaufruf zum Hinfahren aufgerufen wird? Spätestens jetzt ist es nicht mehr möglich, diese Beiträge einfach nur zu ignorieren. Jetzt muss schnell gehandelt werden.

Das kannst du tun

Deine Möglichkeiten sind auf der Website von Hate Aid, einer gemeinnützigen Einrichtung zur Beratung und Unterstützung von Opfern von Online-Hass, sehr gut aufgelistet. Ich habe die Ratgeberseite mit den häufigsten Fragen hier verlinkt.

Ein Interview mit der Geschäftsführerin von Hate Aid, Anna-Lena von Hodenberg, findest du hier. Das ist sehr lehrreich und enthält einiges an Basiswissen, wenn man zur Zielschreibe von Kriminellen geworden ist. Berühmte Personen des öffentlichen Lebens wie Renate Künast oder Luisa Neubauer (Fridays for Future) wurden von Hate Aid schon juristisch vertreten.

Denke also bitte daran: du bist bei weitem nicht die einzige, die schon einmal so negativ in das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gezerrt wurde. Du bist nicht allein und es gibt Wege sich zu schützen und sich zu wehren! Auch wenn deine Gegner prominent sein sollten oder übermächtig erscheinen.

Sogar ein Donald Trump wird sich für seine Taten verantworten müssen. Auf ihn warten nach seiner Amtszeit zahlreiche Gerichtsverfahren.

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