Diktaturen sind kein Abenterland

Wie der Fall Otto Warmbier meine Gedanken zum deutschen Bildungssytem beeinflusst

lebenskompetenz media-news-for-parents.comOtto Warmbier reiste mit dem chinesischen Reiseveranstalter Young Pioneer Tours nach Nordkorea, weil er die Menschen in Nordkorea kennenlernen wollte und neugierig war auf die Kultur, wie er der "Washington Post" mitteilte.

Meine Tochter musste bis vor zwei Wochen das Tagebuch der Anne Frank im Deutschunterricht lesen und interpretieren. Mit dreizehn Jahren und in der siebten Klasse. Zuerst dachten wir Eltern, puh, das ist schwere Kost in dem Alter.

Inzwischen bin ich dankbar, dass es nach wie vor zum Bildungskanon in Deutschland gehört, über die dunkle Zeit in diesem Land aufzuklären.

Bücher für eine demokratische Zukunft

Wer das Tagebuch der Anne Frank liest oder mein Lieblingsbuch „Und wir sind dabei gewesen“ von Christian Führer, kommt nicht auf die Idee, eine Diktatur mit einem Abenteuerreisen-Anbieter zu besuchen.

Derjenige versteht, das die Menschen aus Angst um ihr Leben eine Show abziehen, nie die Wahrheit sagen, weil sie nicht wissen, wem sie trauen können, und die Welt um sie herum nicht frei bewerten wollen und dürfen. Solche Menschen kann man nicht kennenlernen, denn sie werden nie sie selbst sein, weil sie es nicht dürfen oder weil genau das eine lebensbedrohliche Gefahr bedeuten würde.

Was geschah im Oktober 1989?

Das Buch von Christian Führer beschreibt die Zeit der Montagsdemonstrationen in der DDR, das dortige Unrechtsregime und das Zustandekommen der einzigen friedlichen Revolution, die es je auf der Welt gegeben hat. Sie fand in Deutschland statt und führte zum Ende der DDR.

Christian Führer überzeugte als evangelischer Pastor Links- und Rechtsextreme, Menschen aller Bildungs- und Gesinnungscouleur dazu, gemeinsam für das Ende des Regimes zu kämpfen und das mit Kerzen und in friedlicher Weise.

„Sie wollten sich nicht wie Schachfiguren von denen da oben verrücken lassen. Das geht nicht spurlos an einem vorüber, denn wer lange genug verrückt wird, der ist irgendwann verrückt.“

Diktaturen sind kein Ziel für ein Abenteuer

Diktatoren haben Angst vor ihren Bürgern und knüppeln sie – und wie man am Beispiel Warmbier sieht, auch manchmal unbeteiligte Dritte – bei Bedarf mit aller Macht nieder.

Meine Tochter versteht das jetzt dank des deutschen Bildungssystems und der deutschen Vergangenheit ein gutes Stück besser. Das ist wichtig.

 

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