Digital Parents – Wie Konsumforscher die Eltern der Zukunft sehen

Mother feeding her baby with milk bottle in living roomDie Kind + Jugend ist die internationale Leitmesse für Neugeborenen- und Kleinkindbedarf. Zwischen Kinderwagen und Wickelkommoden werden auch Vorträge gehalten, die künftige Trends und Elternwünsche analysieren. So wurden im September folgende Müttertypen auf besagter Messe in Köln vorgestellt:

  • “Staging Mums” zeigen die gesamte Familien- und Mutterpracht online und präsentieren sich immer im besten Licht. Zweifel oder offene Fragen? Für die „Staging Mums“ existieren keine Probleme oder Sorgen. Das Leben als Familie ist perfekt.
  • Für “Commercialised Mums” ist nur das Beste gut genug. Sie scheuen keine Ausgabe oder Anschaffung und machen jeden Trend mit. Commercialised Mums investieren viel Zeit und Geld in ihre Mutterschaft.
  • “Free-from-Conventions-Mums” halten nicht viel von Erfahrungen aus alter Zeit. Sie kennen neuste Forschungsergebnisse, lesen aktuelle Elternratgeber und kennen die Bedürfnisse ihres Nachwuchses besser als alle anderen. Sie hören nicht auf Ratschläge ihrer eigenen Mutter oder gar Schwiegermutter. Deren Erfahrungen sind schließlich längst überholt und heute ist schließlich nicht gestern.

Die Technik regiert

Insgesamt wurde davon ausgegangen, dass künftige Eltern sich immer mehr auf Technik verlassen werden. Wo Erfahrungswerte fehlen (Ersteltern, deren eigene Eltern weit entfernt wohnen), werden Eltern dankbar sein, wenn Experten über Online- oder App-Angebote zu jeder Tages- und Nachtzeit nur einen Klick entfernt sind. Auf diese Weise können Eltern zu jeder Zeit für jedes Problem den richtigen Experten konsultieren.

Die Nutzung von Big Data könne den Babys zudem „eine Stimme geben, wenn sie noch keine eigene haben“, so dass in den ersten 1.000 Lebenstagen die Gesundheit der Kinder so gefördert werden kann, dass manche chronische Krankheiten verhindert würden.

Und, wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie sich in den Mütter- bzw. Elterndefinitionen wiedergefunden?

Ich für meinen Teil sehe die Einteilungen der künftigen Digital-Mütter kritisch. So überspitzt dargestellt werfen die Beschreibungen ein düsteres Bild auf konsum- und aufmerksamkeitsgeile Mütter, die ihre Unsicherheit durch Geld und Technik zu überspielen suchen. Die Wahrheit wird wie auch heutzutage wohl eher in der Mitte liegen.

Wo Technik zusätzlichen Schutz oder Erleichterung bietet, werden Eltern sie in Erwägung ziehen, wie dies heute auch schon bei Babyphones oder elektrischen Milchpumpen der Fall ist.

Neue Geschäftsmodelle ohne Gruppenzwang

Insofern könnte es ein realistisches Szenario sein, dass sich Hebammen künftig neue Geschäftsfelder erschließen, indem sie einen 24-Stunden-Skype-Service anbieten, der im Abo oder als Pay-per-Call abgerechnet wird.

Deswegen sind Mütter, die einen solchen Service nutzen, aber noch lange keine „Free-from-Conventions-Mütter“, die nicht am nächsten Tag beim Wickeln ihre Nachbarin um Rat fragen könnten. Oder ein Foto ihres selig schlafenden Wonneproppen posten, wenn die nächtlichen Stillprobleme erfolgreich gelöst wurden.

Eltern lassen sich nur schwer in Schubladen stecken oder in Gruppen kategorisieren. Das macht die Sache für Konsumforscher und Hersteller von Babybedarf nicht einfacher.

 

 

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