Games sind keine U-Technologie zweiter Klasse

Stand: Sony - Morpheus, Halle 7Aus aktuellem Anlass möchte ich heute ausnahmsweise auf meinen Artikel zur Gamescom vom letzten Jahr hinweisen. Damals beklagte ich die fehlende politische Aufmerksamkeit für die Games-Branche und speziell die Gamescom - also die weltweit größte und bedeutendste Computerspielmesse der Welt.

Am 01.09.2016 fragte kürzlich auch Stephan Steininger als Redaktionsleiter der Fachzeitschrift GamesMarkt, wie es zu erklären ist, dass sich die Bundespolitik nach wie vor wenig um die Gamesbranche in Deutschland bemüht. In dem Artikel „Berlin, wo bleibst du?“ wunderte er sich lautstark darüber, dass seit Philipp Rösler 2013 kein Bundesminister mehr die Gamescom in Köln besucht hat. Dies in einer entscheidenden Phase der Branche, in der große Umwälzungen, aber auch Umsatzpotenziale sichtbar werden durch Virtual und Augmented Reality, Serious Games, Künstliche Intelligenz etc.

Die Schmuddelbranche, die Millionen umsetzt

Es ist leider nach wie vor aktuell. Games sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, aber nicht in der Mitte der Politik. Leider oft auch nicht in der Mitte der Medien. Mitglieder der Games-Branche trauen sich heute kaum noch, branchenfremden Medien Interviews zu geben, weil Zitate archiviert und gerne aus dem ursprünglichen Kontext gerissen im Zusammenhang mit Ballerspieldiskussionen und Amokläufen wieder hervorgekramt werden. Wer aber Games nur mit Kinderkram oder Ballerspielen gleichsetzt, verkennt die Möglichkeiten, über das spielerische Element die Digitalisierung der Gesellschaft voranzutreiben.

Technologie zweiter Klasse verhindern

Unbewusst wird ein Fehler wiederholt, den Deutschland bereits im Kulturbereich mit sich herumschleppt. Seit Jahren wird hierzulande zwischen U- und E-Musik unterschieden. Klassik und klassischer Musikunterricht werden mit hohem Steueraufwand gefördert, popularmusikalische Initiativen in einem vergleichsweise verschwindend geringem Umfang. Eine solche Unterscheidung ist dagegen im angelsächsischen Raum unbekannt. In England werden die Beatles oder in den USA Madonna beispielsweise nicht nur nicht als Musiker zweiter Klasse, sondern als anerkannte Künstler und zudem als Unternehmer und Teil einer ökonomisch relevanten Branche gesehen. Deutschland hingegen feiert Brahms und Beethoven als ernste, also E-Musik, tut sich aber mit Grönemeyer und Felix Jähn als Unterhaltungsmusiker schwer.

Wer die Digitalisierung in Deutschland daher wirklich voranbringen will, sollte sich damit beschäftigen, inwiefern Games mit all ihren Facetten hilfreich sein könnten, um die Technologiephobie der Deutschen zu schmälern. Deshalb sollte eine neue Unterscheidung zwischen U-Technologie (Games) und E-Technologie (digitale Industrieanwendungen) verhindert werden.

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