Guter Investigativjournalismus – und keiner kriegt’s mit

Nichts ist in Zeiten schwindender Budgets für die Presse so wichtig, wie nach wie vor gut gemachter und unabhängiger Investigativjournlismus. Eines der stärksten Investigativformate im deutschen Fernsehen braucht derzeit einen neuen Redaktionsleiter. Frontal 21 im ZDF hat in der Vergangenheit erwiesenermaßen oft heiße Themen als erste recherchiert und darüber berichtet. Aber ehrvoller Journalismus reicht heute nicht mehr. Die Menschen wollen nicht mehr hören, was alles Schlimmes in der Welt passiert, ohne reagieren zu können.

Der Passivjournalismus der Vergangenheit hat ausgedient. Deshalb schaltet die aktuelle Generation das Fernsehen nicht mehr ein, sondern surft auf Foren und Blogs. Hier müssen Konsumenten nicht nur wütend die Faust in der Tasche ballen, sondern können sich wenigstens ein bisschen Luft machen durch Kommentare, Klicks auf Unterschriftenpetitionen oder Investitionen in Crowdfunding. Neutraler Berichtsjournalismus ist out. Ziel- oder Aktivitätsjournalismus ist in. „Constructive News“ nennt dies der dänische Journalist Ulrik Haagerup in seinem ebenso benannten Buch. Frontal 21 sollte daher seine Recherchen möglichst bald um Aktivitätsangebote im Netz oder in der Realität erweitern, um wieder als relevant und vor allem aktiv wahrgenommen zu werden. Sonst dürften die Quoten des Formats weiter schwinden, weil einfach niemand mehr mitbekommt, dass da wichtiger Journalismus betrieben wird.

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